Sensation im Schach: Ein Jahr Schach – und schon Bronze
Am 27.3. 2026, dem letzten Tag vor den Osterferien, fand im Haus des Schachsports das Mädchenturnier der Wiener Schach-Schülerliga statt. Unser Team, bestehend aus Melanie Shi (1B), Michaela Shi (3b), Tatjana Taborsky (4G) und Kimberly Steiner (4H), hat die Vorbereitung sehr ernst genommen. Wenige Tage zuvor war auf Einladung durch unseren Elternverein und Prof. Cikán sogar der Schachkolumnist Anatol Vitouch bei uns im Schachunterricht, um mit dem Mädchenteam Eröffnungen zu trainieren.
Trotzdem setzten wir unsere Hoffnungen lieber niedrig an. Es war uns klar, dass viele der anderen Schulen Vereinsspielerinnen aufbieten würden, deren Trainingszeit und Turniererfahrung sich mit noch so viel Begeisterung und noch so viel Ruhe nicht ausgleichen lassen. Einen einzigen Mannschaftssieg wollten wir zumindest erreichen.
Gespielt wurde in sechs Runden, Team gegen Team, auf vier Brettern. Für die Gesamtwertung wurde jeder Einzelsieg mit einem Punkt, jedes Remis mit einem halben Punkt gewertet. Darüber hinaus wurden die Mannschaftsergebnisse gezählt, die bei Gleichstand entscheidend werden sollten: Für einen Mannschaftssieg gab es in einer separaten Wertung zwei Punkte, für ein Unentschieden einen Punkt.
Schon in der ersten Runde gelang uns überraschend ein knapper Gewinn (2,5–1,5) gegen das A-Team der Kundmanngasse. Unsere Begeisterung war groß, und das ist extrem gefährlich. Wir bläuten uns ein, in der zweiten Runde extra langsam und vorsichtig spielen zu müssen, weil die Freude vom Nachdenken ablenkt. Trotzdem geschah, was Prof. Cikán auch aus seiner eigenen Zeit als Schülerligaspieler kannte: Nach wenigen Zügen standen wir vor lauter Übereifer gegen das B-Team der Kundmanngasse auf allen vier Brettern auf Niederlage – hier eine Eröffnungsfalle, da eine eingestellte Figur, dort eine kaputte Stellung aufgrund einer Unaufmerksamkeit. Doch dank der extremen Nervenstärke unserer Spielerinnen konnten zwei Partien noch gedreht und eine zum Remis gerettet werden: wieder knapp 2,5–1,5 gewonnen.
Nach einem Sieg gegen das Erich-Fried-Realgymnasium (3–1) in der dritten Runde, bei dem Kimberly Steiner brillierte, zählten wir plötzlich zu den Geheimtipps. In der vierten Runde erwarteten uns am ersten Tisch nun die wahren Favoritinnen des Turniers, das Team des Sacré Coeur, dessen Spielerinnen allesamt reiche Turniererfahrung mitbrachten. Tatjana Taborsky spielte frech, gewann einen Vorteil an Material und brachte ihn souverän ins Endspiel. Michaela Shi verlor im Mittelspiel eine Figur, hielt sich aber wacker, verteidigte sich mit allen Mitteln, zögerte den Abtausch von Figuren so gut es ging hinaus, stellte noch in großer Zeitnot wunderschöne Patt-Fallen, doch ihre Gegenspielerin, der bald schon einige Nervosität, ja sogar Verzweiflung anzusehen war, blieb aufmerksam und ließ sich den Sieg nicht mehr nehmen. Die Niederlage 1–3 war sehr in Ordnung, ein Punkt war gerettet. Auch in der fünften Runde spielten wir am ersten Tisch, diesmal gegen das GRG Alterlaa. Hier hatten drei Spielerinnen Turniererfahrung, trotzdem holten wir ein Unentschieden 2–2 heraus.
In der sechsten Runde erwartete uns ein Freilos. Mit Spannung beobachteten wir die Partien zwischen dem Sacré Coeur und der Kundmanngasse A. Für den dritten Platz brauchten wir, dass das Sacré Coeur zumindest einen Punkt gewinnt – es wurde ein 4–0, und wir jubelten schon. Doch da wurde unser Jubel getrübt: Am dritten Tisch gewann nämlich das Erich-Fried-Realgymnasium 4–0 gegen die Wenzgasse B und hatte somit gleich viele Punkte wie wir. Entscheidend wurde jetzt die Anzahl der Teamsiege – und derer hatten wir einen mehr.
Natürlich dürfen wir hier keine Geheimnisse unserer Strategie preisgeben, und schon gar nichts über unsere Eröffnungen verraten. So viel sei aber gesagt: Melanie Shi und Kimberly Steiner wussten von Anfang an, dass sie extrem starke Gegnerinnen haben würden. Ihre Aufgabe war es, zumindest ein paar halbe Punkte herbeizuzaubern, und das ist beiden mit Bravour gelungen, wobei Melanie als Erstklässlerin meistens viel ältere Gegnerinnen hatte. Michaela Shi und Tatjana Taborsky hatten es von der Aufstellung her etwas leichter, dafür lastete aber der Druck auf ihnen, so viel wie möglich gewinnen zu müssen. Und auch das gelang: Tatjana gewann – sage und schreibe – jedes einzelne Spiel, Michaela jedes bis auf das eine einzige gegen das Sacré Coeur.
Zur Belohnung gab es Brötchen mit Kaviar.
Wir Gratulieren Sacré Coeur und Alterlaa zu Gold und Silber, freuen uns zugleich auf das Äußerste über unsere Bronzemedaillen und den hübschen Pokal.
Und wir danken dem Elternverein für die Schachbretter und Schachuhren, mit denen wir wöchentlich spielen, sowie für die Einladung von Anatol Vitouch zu weiteren Stunden. Prof. Cikán ist ein listenreicher Trainer, aber Vitouch spielt doch in einer höheren Liga, in der Bundesliga nämlich.









